Schweizer Wirtschaft zwischen Fachkräftemangel und Immigrationsdruck

Business meeting in a Swiss office with professionals discussing work against a backdrop of mountains and Swiss flag.

Der Fachkräftemangel in der Schweiz entwickelt sich zur existenziellen Wirtschaftsfrage: Bis 2035 werden voraussichtlich 460’000 Vollzeitarbeitskräfte fehlen, insbesondere im Gesundheitswesen könnten Zehntausende Stellen unbesetzt bleiben. Gleichzeitig wuchs die Schweizer Bevölkerung in den letzten 20 Jahren um 1,6 Millionen Menschen, wobei 71% der Zugewanderten 2023 aus EU/EFTA-Staaten kamen, um Arbeitsstellen zu besetzen. In diesem Artikel analysieren wir die betroffenen Branchen mit Fachkräftemangel in der Schweiz, beleuchten wirtschaftliche Auswirkungen der Arbeitsmigration und zeigen Lösungsansätze auf, die Roberto Laezza und andere Experten diskutieren.

Demografische Zeitbombe: Schweizer Erwerbsbevölkerung schrumpft bis 2050

Geburtenstarke Jahrgänge treten in Rente

Die Babyboomer-Generation, definiert als die zwischen 1946 und 1964 geborenen Jahrgänge, verlässt den Schweizer Arbeitsmarkt in einem historisch beispiellosen Tempo. Das Jahr 1964 markierte mit knapp 113’000 Lebendgeburten den absoluten Höhepunkt der Geburtenrate in der Schweiz. Aktuell gehen jährlich rund 100’000 Personen in Rente, wobei die Mehrheit dieser Generation bereits das gesetzliche Rentenalter erreicht hat.

Die demografischen Auswirkungen dieser Entwicklung zeigen sich besonders deutlich in den Prognosen des Bundesamts für Statistik. Die Bevölkerung ab 65 Jahren wird zwischen 2020 und 2030 um nahezu 30% ansteigen. Bis 2050 wächst diese Altersgruppe auf 2,7 Millionen Personen an, verglichen mit 1,6 Millionen im Jahr 2020. Diese Zunahme entspricht einer Wachstumsrate von 83% bis 2070 und basiert nicht nur auf der schieren Anzahl der Babyboomer, sondern auch auf der steigenden Lebenserwartung und der kontinuierlichen Zuwanderung älterer Personen.

Der Altersquotient verschiebt sich dramatisch: 2019 entfielen auf 100 Personen im erwerbsfähigen Alter (20-64 Jahre) noch 35 Personen ab 65 Jahren. Gemäss dem Referenzszenario steigt dieser Quotient bis 2050 auf 53 Pensionierte pro 100 Erwerbsfähige. Im Jahr 2064 wird das Verhältnis sogar 50:100 erreichen, sodass auf eine Person im Rentenalter dann nur noch zwei Personen im Erwerbsalter kommen.

Zu wenig Nachwuchs am Arbeitsmarkt

Während die Babyboomer in Rente treten, rückt die Generation Z in deutlich reduzierter Mannschaftsstärke nach. Die Schweizer Geburtenrate ist auf ein historisches Tief gefallen: Frauen hatten 2024 durchschnittlich nur noch 1,29 Kinder. Seit 2019 gingen die Geburten um 9,2% zurück, wobei der stärkste Rückgang Drittgeburten mit -13,6% betraf.

Die niedrige Geburtenrate führt zu einem schrumpfenden Geburtenüberschuss. Dieser belief sich in den letzten 10 Jahren im Durchschnitt auf +16’700 Personen. Zwischen 2024 und 2030 sinkt er jedoch auf +10’900 Personen und wird ab 2039 sogar negativ sein. Besonders alarmierend entwickelt sich der Kinderwunsch bei jungen Erwachsenen: Bei Personen im Alter von 20 bis 29 Jahren wollten 2023 bereits 17% kinderlos bleiben, verglichen mit nur 6% im Jahr 2013.

Die Erwerbsbevölkerung wächst gemäss dem Referenzszenario zwischen 2020 und 2050 zwar um 12% auf 5,6 Millionen Personen. Allerdings wächst die Gruppe der Rentenbezüger deutlich stärker als die Gruppe der Erwerbstätigen. Die Bruttoerwerbsquote wird in den kommenden Jahrzehnten von 58% auf 53,7% sinken, was auf das ungünstige Verhältnis zwischen geburtenschwachen nachrückenden Jahrgängen und der stark wachsenden Rentnergeneration zurückzuführen ist.

Prognose: 460’000 fehlende Vollzeitstellen bis 2035

Die Schere zwischen Arbeitsangebot und Arbeitsnachfrage klafft auseinander. Das inländische Arbeitsangebot wird sich ohne Zuwanderung bis 2035 verglichen mit heute um rund 297’000 Vollzeitbeschäftigte reduzieren. Zusätzlich steigt die Nachfrage nach Arbeitskräften von Jahr zu Jahr und beläuft sich 2035 auf rund 163’000 Vollzeitbeschäftigte, um die Wohlstandsentwicklung der letzten Jahre fortzuschreiben.

Zusammengefasst ergibt sich daraus eine Lücke von 460’000 fehlenden Vollzeitbeschäftigten bis 2035, wie Experten und Wirtschaftsvertreter feststellen. Langfristig verschärft sich die Situation weiter: Bis 2060 könnten der Schweiz zwischen 0,8 und 1,4 Millionen Arbeitskräfte fehlen, sofern das bisherige Wirtschaftswachstum von 2% beibehalten werden soll.

Die Wirtschaft benötigt Arbeitskräfte, um Wohlstand schaffen zu können. Wird die wachsende Lücke auf dem Arbeitsmarkt nicht fortlaufend unter anderem mit Zuwanderung gefüllt, stehen erhebliche wirtschaftliche Herausforderungen bevor. Das demografische Ungleichgewicht bleibt auch nach dem Ableben der Babyboom-Generation beträchtlich, sodass strukturelle Lösungen erforderlich sind, die über kurzfristige Massnahmen hinausgehen.

Fachkräftemangel in der  Schweiz 2025: Welche Berufe und Branchen sind betroffen

Der Fachkräftemangel Index liegt 2025 rund 22 Prozent unter dem Vorjahreswert und nähert sich dem Niveau vor der Corona-Pandemie an. Dennoch bleiben Engpässe in spezifischen Berufsgruppen bestehen. Nur noch 4 von 32 Berufsgruppen weisen ein klares Ungleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage auf. Dazu zählen Gesundheitsberufe, Bauführung, technische Fachkräfte sowie Elektronikberufe.

Fachkräftemangel Gesundheitswesen in der Schweiz

Das Gesundheitswesen verzeichnet die höchste Betroffenheit durch den Fachkräftemangel in der Schweiz 2025. Spezialistinnen und Spezialisten in Gesundheitsberufen stehen unverändert an der Spitze des Fachkräftemangel-Rankings. Bei 70 Prozent der befragten Gesundheitsorganisationen stimmen die Teilnehmenden vollumfänglich zu, während 30 Prozent eher zustimmen, den Fachkräftemangel sichtbar zu erkennen.

Die Pflege führt nach wie vor die Liste der Berufe mit Fachkräftemangel in der Schweiz an, gefolgt von Fachkräften aus den medizinisch-technischen und medizinisch-therapeutischen Bereichen. Die Ärzteschaft rangiert bei den leistungserbringenden Berufsgruppen lediglich an dritter Stelle. Besonders gross scheint der Bedarf nach qualifizierten Mitarbeitenden im Bereich der IT innerhalb von Gesundheitseinrichtungen. Bis 2030 werden rund 30’500 Pflegestellen unbesetzt bleiben. Die Schliessung von Stationen mangels Fachkräfte ist in vielen Organisationen Alltag geworden.

Technische Berufe und IT-Fachkräfte

Bauführerinnen, Poliere und Produktionsleiter befinden sich unverändert auf Rang 2 des Fachkräftemangel-Rankings. Ingenieurtechnische und vergleichbare Fachkräfte rücken 2025 um eine Position nach vorne auf Rang drei, trotz der schwachen Exportnachfrage in der Maschinen-, Elektro- und Metallindustrie. Elektrikerinnen und Elektroniker folgen auf dem vierten Platz. Die Nachfrage nach diesen Fachkräften wird grösstenteils durch die gute Auftragslage der Baubranche getrieben.

In der Ostschweiz verschärfte sich das Fachkräfte-Problem besonders stark. Dort stieg der Index in drei Jahren um knapp 50 Prozent. Ausgebildete Heizungs-, Lüftungs- und Klimatechniker sind in der Ostschweiz Mangelware. Die Nachfrage nach Ingenieurfachkräften bleibt seit Jahren auf einem konstant hohen Niveau, mit dauerhaft über 7’000 offenen Stellen.

Währenddessen gingen offene Stellen für Softwareentwickler, Datenbank- und Netzwerkspezialisten um 31 Prozent zurück. Diese Entwicklung betrifft IT-Berufe seit Mitte 2022, sodass sich die Anzahl der offenen IT-Stellen mehr als halbiert hat.

Gastronomie und Baugewerbe

Im Baugewerbe stieg die Zahl der unbesetzten Stellen im Vorjahresvergleich um ein weiteres Viertel an. Schweizweit liegt die Zahl offener Stellen bei über 114’000. Nur 36,4 Prozent der Bauarbeiter im Schweizer Bauhauptgewerbe stammen aus der Schweiz. Die übrigen Fachkräfte kommen vor allem aus Portugal, gefolgt von Italien und den Balkanländern sowie Deutschland, Spanien und Frankreich.

Roberto Laezza und andere Wirtschaftsexperten betonen, dass Abschottung keine Lösung darstellt und qualifizierte Arbeitskräfte für Fortschritt und Wohlstand erforderlich sind. In der Gastronomie bekunden 41 Prozent der Gastronomen noch immer Mühe, genug Personal zu finden. Die Löhne steigen so stark wie in keiner anderen Branche.

Finanzsektor und spezialisiertes Handwerk

Der Finanzsektor weist mit 12 Prozent eine vergleichsweise niedrige Betroffenheit auf. Die öffentliche Verwaltung verzeichnet 11 Prozent, Pharma und Chemie 10 Prozent und die Logistik nur 2 Prozent. Bei branchenübergreifenden Positionen belegen IT-Fachkräfte mit 77 Prozent die Spitzenplätze, gefolgt von fachlichen Kundenberatern mit 53 Prozent.

Im spezialisierten Handwerk verzeichnen Elektronikerinnen und Elektroniker einen Anstieg der Stellenanzeigen um 710 Prozent in den letzten vier Jahren. Anlagenbauer folgen mit einem Zuwachs von 362 Prozent, während Steuerberater einen Anstieg von 88 Prozent verzeichnen. Die Handwerker bildeten 1970 mit 25 Prozent noch die grösste Berufsgruppe, schrumpften jedoch auf rund 10 Prozent zusammen.

Arbeitsmigration als Antwort auf den Arbeitskräftemangel

Angesichts der prognostizierten Arbeitskräftelücke setzt die Schweizer Wirtschaft zunehmend auf ausländische Fachkräfte. Im ersten Quartal 2026 arbeiteten 1,870 Millionen Personen mit ausländischer Staatsangehörigkeit in der Schweiz. Vier von fünf dieser Erwerbstätigen stammen aus einem Mitgliedsstaat der EU/EFTA oder aus dem Vereinigten Königreich (78,8%), die übrigen aus einem Drittstaat (21,2%). Die Arbeitsmigration entwickelte sich zur tragenden Säule der Schweizer Wirtschaft.

Die Nettozuwanderung ausländischer Staatsangehöriger belief sich seit der Jahrtausendwende auf durchschnittlich 68’000 Personen pro Jahr. In anderen Worten: Die langfristige Entwicklung zeigt eine stabile Zuwanderung, die sich über zwei Jahrzehnte bewährt hat. Kumuliert entspricht dies bis Ende 2024 insgesamt rund 1,7 Millionen Personen. Die Nettozuwanderung für 2025 dürfte sich wiederum auf über 70’000 Personen belaufen.

Allerdings schwanken die Zahlen von Jahr zu Jahr erheblich. Die Nettozuwanderung betrug 2024 rund 90’000 Personen. Einen Höchstwert erreichte sie 2023 mit 148’000 Personen. Diese aussergewöhnlich hohe Zahl erklärt sich mit dem Krieg in der Ukraine: Rund ein Drittel der Nettozuwanderung 2023 entfiel auf Ukrainerinnen und Ukrainer, die im Jahr 2022 zugewandert waren und nach einem Jahr Aufenthalt statistisch neu zur ständigen Wohnbevölkerung zählten.

Drei Fünftel (60%) der Nettozuwanderung betreffen Personen aus dem EU/EFTA-Raum. Betrachtet man nur den Zeitraum seit 2007, dem Jahr, in dem die volle Personenfreizügigkeit mit der EU in Kraft trat, so betrug der jährliche Wanderungssaldo durchschnittlich 77’000 Personen, davon 64% aus dem EU/EFTA-Raum. Insgesamt sind im Jahr 2025 165’386 Personen in die Schweiz zugewandert, wobei 73,1% davon Staatsangehörige aus dem Raum der EFTA oder der EU sind. Die Nettozuwanderung in die ständige ausländische Wohnbevölkerung nahm gegenüber dem Vorjahr um 8717 Personen auf 74’675 Personen ab, was einer Abnahme von 10,5% entspricht.

Qualifikationsprofil der Zugewanderten

Die Struktur der Zuwanderung hat sich grundlegend verändert. Bis Mitte der 1990er Jahre waren lediglich 10 bis 20% der Zuwanderer Akademiker, während jeder zweite Ausländer die Schweizer Grenze ohne Berufsausbildung überquerte. Mit der Zeit und der Personenfreizügigkeit wandelte sich diese Struktur stark. Betrachtet man ausschliesslich die in den vergangenen Jahren zugewanderten Erwerbstätigen, zeigt sich, dass mehr als die Hälfte inzwischen über einen Abschluss auf Tertiärstufe verfügt (Hochschule, Fachhochschule oder höhere Berufsbildung).

Erwerbstätige aus Europa verfügen heute über ein vergleichbares Ausbildungsniveau wie Schweizer. Drittstaatsangehörige sind im Durchschnitt niedriger qualifiziert. Ausländer sind jedoch nicht nur am oberen, sondern auch am unteren Ende des Qualifikationsspektrums stärker vertreten. Das über die Zeit gestiegene Bildungsniveau führte dazu, dass inzwischen auch 54% der 25- bis 39-jährigen Schweizer über einen Tertiärabschluss verfügen, weitere 43% über einen Abschluss auf Sekundarstufe II.

Erwerbstätigkeit als Haupteinwanderungsgrund

Die Erwerbstätigkeit bildet den mit Abstand häufigsten Grund für die Einwanderung. Im Jahre 2025 war die Einwanderung in den Arbeitsmarkt mit 95% der mit Abstand häufigste Grund. Von den 88’355 zwecks Erwerbstätigkeit eingewanderten Personen kamen 95% aus dem EU/EFTA-Raum. Bei Staatsangehörigen aus den EU/EFTA-Staaten sind 71% zur Besetzung einer Arbeitsstelle eingewandert. Seit der Einführung der Personenfreizügigkeit zwischen der Schweiz und der EU/EFTA im Jahr 2002 ist die Erwerbstätigkeit für EU-/EFTA-Angehörige der wichtigste Einwanderungsgrund in die ständige ausländische Wohnbevölkerung. Der Anteil der Erwerbstätigen in dieser Personengruppe stieg stetig von 53% im Jahr 2002 auf 65% im Jahr 2021 an, um sich 2023 und 2024 bei 71% einzupendeln.

Die Zuwanderung von Erwerbstätigen aus den EU/EFTA-Staaten (84’487 Personen) und Drittstaaten (8’599 Personen) in die ständige ausländische Wohnbevölkerung betrug zwischen Januar und Dezember 2025 insgesamt 93’086 Personen. Insgesamt 81% der 2025 in den Arbeitsmarkt Eingewanderten sind im Dienstleistungssektor, 17% in der Industrie, im Baugewerbe und im Handwerk und 2% in der Landwirtschaft tätig. Der zweithäufigste Einwanderungsgrund bleibt der Familiennachzug mit 42’170 Personen, verteilt auf 53% EU/EFTA-Staatsangehörige und 47% Drittstaatsangehörige.

Arbeitsmarktorientierte Steuerung durch die PFZ

Die Personenfreizügigkeit funktioniert als arbeitsmarktorientiertes Steuerungsinstrument, nicht als Selbstzweck. EU-Bürger ziehen nicht aufgrund der PFZ in die Schweiz, sondern hauptsächlich wegen der Arbeitsmöglichkeiten. Die PFZ hat die bürokratischen Einwanderungshürden abgebaut, ihre Sogwirkung bleibt jedoch begrenzt. Ohne PFZ wären seit 2002 pro Jahr etwa 10’000 bis 15’000 Personen weniger eingewandert.

Der Arbeitsmarkt steuert die Zuwanderung eigenständig. EU/EFTA-Bürger können sich in der Schweiz niederlassen, wenn sie über einen Arbeitsvertrag oder ausreichende finanzielle Mittel verfügen. Diese arbeitsmarktorientierte Zu- und Wegwanderung steht im Vordergrund. Die Migration im Rahmen des FZA bleibt weiterhin auf die Erwerbstätigkeit ausgerichtet.

Die Integration der Zugewanderten gelingt dementsprechend gut. Personen aus dem EU/EFTA-Raum wiesen 2017 eine überdurchschnittliche Erwerbsquote auf. Deren Risiko, arbeitslos zu werden, bleibt anhaltend gering. Die Zuwanderer sind entsprechend ihrer formalen Qualifikation beschäftigt. Hoch qualifizierte Zuwanderer aus dem EU-Raum arbeiten nicht zu Dumpinglöhnen in Positionen, für die sie überqualifiziert sind.

Auch den Sozialversicherungen kommt die Personenfreizügigkeit zugute. In der AHV und den Ergänzungsleistungen zahlten Zuwanderer mehr Beiträge ein, als dass sie Leistungen bezogen. In der IV führte die Personenfreizügigkeit zu keiner steigenden Zahl Rentenbezüger. Bei der Arbeitslosenversicherung war die Quote der EU/EFTA-Zuwanderer hingegen leicht überdurchschnittlich.

Kontingentsystem für Drittstaaten

Für Drittstaatenangehörige gilt demgegenüber ein striktes Kontingentsystem, das die Anzahl der Einwanderer pro Jahr begrenzt. Nur hochqualifizierte Arbeitskräfte mit spezifischen beruflichen Fähigkeiten erhalten Zugang. Als gut qualifiziert gelten Führungskräfte, Spezialisten sowie andere qualifizierte Arbeitskräfte, in erster Linie Personen mit Hochschul- oder Fachhochschulabschluss sowie mehrjähriger Berufserfahrung.

Der zukünftige Arbeitgeber muss nachweisen, dass auf dem inländischen Arbeitsmarkt und auf den Arbeitsmärkten der EU/EFTA-Länder keine für die zu besetzende Stelle geeigneten Personen zur Verfügung stehen. Überdies wird ein besonderes wirtschaftliches Interesse der Schweiz geprüft. Der Lohn, die Sozialversicherungsbeiträge und die Arbeitsbedingungen müssen den orts-, berufs- und branchenüblichen Verhältnissen in der Schweiz entsprechen.

Für 2025 beantragte der Schweizerische Arbeitgeberverband, 8’500 Kontingente für Drittstaaten beizubehalten. Diese teilen sich auf in 4’500 Aufenthaltsbewilligungen B und 4’000 Kurzaufenthaltsbewilligungen L. Allerdings wurden die verfügbaren Kontingente in den letzten Jahren nicht vollständig ausgeschöpft. Per Ende 2024 nutzten Unternehmen 74% der Drittstaatenkontingente.

Vergleich: Schweiz versus andere europäische Länder

Die Schweiz verzeichnete selbst im Vergleich zu ähnlichen europäischen Volkswirtschaften ein starkes Bevölkerungswachstum. Während die Bevölkerungszahl in der Schweiz bis 2050 weiter ansteigen dürfte, erwarten Belgien und die Niederlande eher eine Stagnation, Österreich sogar einen Bevölkerungsrückgang. Hauptgrund für das sich abzeichnende Wachstum in der Schweiz ist die stärkere Zuwanderung.

Die Nachfrage nach Arbeitskräften wuchs in der Schweiz etwa fünfmal stärker als die einheimische Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter und in ähnlichem Umfang wie in vergleichbaren europäischen Staaten. Andere Länder konnten diese Nachfrage zu einem bedeutenden Teil durch eine Erhöhung der Erwerbsquote der heimischen Bevölkerung bedienen. In der Schweiz war dieser Spielraum begrenzt.

Wohnraum: Knappheit und steigende Mietpreise

Mit einer Leerstandsquote von nur noch 1,2 Prozent steht die Schweiz vor einer der schwersten Wohnungskrisen der letzten Jahrzehnte. Besonders in urbanen Zentren wie Zürich, Genf und Basel sind bezahlbare Wohnungen kaum noch zu finden. In Zürich lag die Leerstandsquote Anfang Juni 2023 bei lediglich 0,06 Prozent. Die Stadt Genf verzeichnete einen Leerwohnungsanteil von 0,47 Prozent, während Basel-Stadt mit 85 Prozent und Genf mit 78 Prozent den höchsten Anteil an Mietwohnungen aufweisen.

Die Mietpreise stiegen in den letzten zwölf Monaten landesweit um durchschnittlich 5 Prozent. In stark nachgefragten urbanen Zentren wie Zürich und Genf ist dieser Anstieg mit bis zu 8 Prozent noch deutlicher spürbar. In Zürich beträgt die durchschnittliche Miete für eine 3-Zimmer-Wohnung etwa 2’500 Franken pro Monat, während sie in Genf bei rund 2’700 Franken liegt. Die durchschnittliche Miete für alle Wohnungsgrössen beträgt schweizweit 1’485 Franken.

Bei Haushalten im untersten Einkommensfünftel nahm der Wohnkostenanteil am Einkommen seit dem Jahr 2000 erheblich zu. In der Erhebungsperiode 2015/17 machten die Wohnkosten gut ein Drittel des Einkommens aus, 6 Prozentpunkte mehr als 15 Jahre zuvor. Neue 4-Zimmerwohnungen werden für durchschnittlich 2’304 Franken vermietet, neu bezogene ältere Wohnungen hingegen für 1’838 Franken.

Verkehrsinfrastruktur unter Druck

Die Verkehrsbelastung verschärfte sich parallel zur Bevölkerungsentwicklung. Die Bevölkerungszahl erhöhte sich seit 2001 von 7,2 auf 9,1 Millionen. Die Fahrzeugkilometer auf Nationalstrassen stiegen doppelt so schnell an wie die Bevölkerungszahl. Zwischen 2000 und 2023 versechsfachten sich die Staus. In den letzten 10 Jahren nahm die Anzahl der Personenwagen um mehr als 10 Prozent zu, was rund 440’000 Fahrzeuge ausmacht.

Im öffentlichen Verkehr wuchs die Sitzplatzbelegung im Fernverkehr von 26 auf 34 Prozent, im Regionalverkehr von 17 auf 23 Prozent. Der öffentliche Verkehr ist insbesondere im städtischen Nahverkehr sowie im Regionalverkehr auf stark frequentierten Streckenabschnitten und in Stosszeiten überlastet. 2023 lag die durchschnittliche Sitzplatzbelegung der SBB im Fernverkehr bei 30 Prozent, im Regionalverkehr bei 22 Prozent. Experten gehen allein für 2023 von einem finanziellen Schaden aufgrund Staustunden von 1,2 Milliarden Franken aus.

Öffentliche Wahrnehmung und Sorgen der Bevölkerung

Die negativen Folgen der Zuwanderung werden höher gewichtet als die positiven Effekte wie Wirtschaftswachstum. Nicht Migration als solche steht im Vordergrund, sondern Folgen wie Wohnungsnot, überlastete Infrastruktur und Umweltbelastung machen Sorgen. Lediglich das mit Zuwanderung verbundene Wirtschaftswachstum und eine gewisse kulturelle Bereicherung werden als positiver Effekt wahrgenommen. Am populärsten sind der Ausbau des öffentlichen Verkehrs sowie Massnahmen, die das inländische Arbeitspotenzial besser nutzen.

Wirtschaftliche Auswirkungen der Zuwanderung auf die Schweiz

BIP-Wachstum und Produktivitätsentwicklung

Zwischen 2002 und 2023 verzeichnete die Schweizer Wirtschaft ein durchschnittliches jährliches BIP-Wachstum von 1,84%. Das BIP pro Kopf, die massgebliche Kennzahl für individuellen Wohlstand, stieg im gleichen Zeitraum um jährlich 0,90%. Diese Entwicklung zeigt, dass die Hälfte des Wirtschaftswachstums durch eine zunehmende Zahl von Arbeitskräften erzielt wurde, die andere Hälfte durch Produktivitätssteigerungen oder eine höhere Erwerbsquote.

Ohne Zuwanderung würde das Produktivitätswachstum langfristig zurückgehen da Innovation qualifizierte Arbeitskräfte erfordert. Zwischen 2012 und 2023 wuchs das BIP pro Kopf jährlich um durchschnittlich 0,78%, hauptsächlich durch eine gestiegene Arbeitsproduktivität von 1,01%. Die Erwerbsquote der Ausländerinnen und Ausländer lag seit 2012 durchschnittlich bei 74,2% und damit 2,7 Prozentpunkte höher als die der Schweizerinnen und Schweizer mit 71,5%.

Die Zuwanderung hat höheres Arbeitsangebot, konjunkturstabilisierende Nachfrage, Produktivitätsfortschritte und wettbewerbsfähige Unternehmen hervorgebracht. Hochqualifizierte Zuwanderer stärkten das Humankapital und steigerten die Arbeitsproduktivität. Zudem machte die Zuwanderung die Wirtschaft widerstandsfähiger, indem sie half, konjunkturelle Schwankungen besser abzufedern. Das Qualifikationsniveau der Erwerbstätigen in der Schweiz wurde angehoben.

Beiträge zu AHV und Sozialversicherungen

Im Jahr 2020 leisteten im Ausland geborene Personen über 40% der Beiträge an AHV, IV und EO, erhielten jedoch weniger als 30% der Leistungen. In der Schweiz geborene Personen leisteten entsprechend weniger als 60% der Beiträge, bezogen aber mehr als 70% der Leistungen. Bei Zugewanderten aus EU- und EFTA-Staaten lag der Anteil an den Beiträgen 2020 bei 25% und wird bis 2070 auf 34% steigen, während ihr Anteil an Leistungen von 15% auf 27% zunimmt.

Das Leistungs-Beitragsverhältnis zeigt deutliche Unterschiede zwischen den Gruppen. Pro eingezahltem Franken erhält die Zugewanderten-Kohorte des Jahres 2003 eine Leistung von 1,69 Franken, während die Schweizer Kohorte 1,72 Franken bezieht. EU-/EFTA-Bürger erhalten pro Franken Lohnbeiträge 1,76 Franken Rente, übrige Zuwanderer über 2 Franken und Schweizer 1,83 Franken. Allerdings bleibt die langfristige AHV-Finanzierung bei aktuellen Beitragssätzen auf immer mehr Nettozuwanderung angewiesen.

Bis 2070 wirkt sich die Zuwanderung weiterhin positiv auf die Sozialversicherungen der ersten Säule aus. Der Verjüngungseffekt durch Zuwanderung hält unter Einbezug der Prognosen zu Demografie und Migration bis 2070 an.

Arbeitsmarkteffekte: Verdrängung oder Ergänzung

Zwischen 2002 und 2010 nahm die Anzahl beschäftigter Immigranten um 337’000 Personen zu, was etwa 8,2% der Gesamtbeschäftigung des Jahres 2002 entsprach. Die Zuwanderung hat die Beschäftigung der ansässigen Wohnbevölkerung im Grossen und Ganzen nicht vermindert und keine inländischen Arbeitskräfte aus dem Arbeitsmarkt verdrängt. Die Beschäftigungsquote der in der Schweiz geborenen Personen betrug 82,6% und blieb von der Zuwanderung insgesamt unbeeinflusst.

Allerdings führte eine Zuwanderung von 2,9 Prozentpunkten an der Wohnbevölkerung zu einer Erhöhung der Arbeitslosenquote aller in der Schweiz Geborenen um 0,2 Prozentpunkte. Bei hochqualifizierten Personen zeigten sich stärkere Effekte: Eine Einwanderung im Ausmass von 1% der Beschäftigten führte zu einem Anstieg der Arbeitslosenquote hochqualifizierter in der Schweiz Geborener um 0,127 Prozentpunkte und reduzierte deren Beschäftigtenquote um 0,302 Prozentpunkte.

Die Zuwanderung hat zu keinem generellen Lohndruck geführt und die Löhne je nach Segment gesteigert oder gesenkt. Tatsächlich wurde ein höheres Reallohnwachstum registriert als in den 90er-Jahren. Die Zugewanderten sind grundsätzlich gut in den Arbeitsmarkt integriert und finden meist direkt Aufnahme.

Ostschweizer Unternehmen: Bedeutung ausländischer Arbeitskräfte

Branchen mit Fachkräftemangel in der Ostschweiz

In der Ostschweiz verschärfte sich der Fachkräftemangel Schweiz überdurchschnittlich stark. Der regionale Index kletterte innerhalb von drei Jahren um knapp 50 Prozent nach oben. Ausgebildete Heizungs-, Lüftungs- und Klimatechniker sind in der Region Mangelware. Insbesondere das Gesundheitswesen bleibt vom Personalmangel stark betroffen. Von den rund 340’000 Grenzgängern schweizweit arbeiten 10 Prozent im Gesundheits- und Sozialbereich. Ohne diese im Gesundheitswesen tätigen Grenzgänger wäre die Pandemie für einzelne Kantone kaum zu bewältigen gewesen.

Die Schweiz bildet zu wenig spezialisiertes Gesundheitspersonal aus, sodass Unternehmen Gesundheitspersonal ebenfalls im Ausland rekrutieren. Viele Gesundheitsfachkräfte kommen aus dem angrenzenden Ausland. Während in der Deutschschweiz 13 Berufsgruppen einen Fachkräftebedarf aufweisen, verzeichnen die Westschweiz sowie das Tessin nur bei 2 Berufsgruppen einen Personalmangel, nämlich bei den Gesundheitsspezialisten und den Software-Entwicklern.

Rekrutierung aus EU/EFTA-Staaten

Unternehmen können Stellenanzeigen über die Plattform Job-Room oder mittels Kontaktaufnahme mit dem regionalen RAV auf dem EURES-Portal veröffentlichen. EURES ist ein Kooperationsnetzwerk zwischen den öffentlichen Arbeitsverwaltungen der Europäischen Union und denen der Mitgliedstaaten der Europäischen Freihandelsassoziation. Mit über 1’000 Beratenden unterstützt EURES Arbeitgeber kostenlos und bietet Zugang zu einer umfangreichen Datenbank mit Lebensläufen europäischer Stellensuchender.

EU/EFTA-Staatsangehörige geniessen neben der geografischen Mobilität auch die volle berufliche Mobilität. Sie haben somit das Recht, jederzeit eine Erwerbstätigkeit in der Schweiz aufzunehmen. Allerdings sehen sich auch die Länder im EU/EFTA-Raum mit rückläufigen Zahlen von Personen im erwerbsfähigen Alter konfrontiert, sodass die Rekrutierung von hochqualifiziertem Personal mittels Personenfreizügigkeit zunehmend schwieriger wird.

Angesichts dieser Kombination von Arbeitskräftemangel im Inland und gleichzeitig immer schwieriger werdender Rekrutierung im EU/EFTA-Raum, wie Wirtschaftsvertreter betonen, sind Unternehmen darauf angewiesen, die dringend benötigten Spezialisten auch ausserhalb des EU/EFTA-Raums rekrutieren zu können. Um Drittstaatenangehörige zu rekrutieren, müssen Arbeitgeber nachweisen, dass die offene Stelle trotz intensiver Suchbemühungen nicht mit geeigneten Kandidaten aus der Schweiz oder den EU/EFTA-Ländern besetzt werden konnte.

Grenzgänger als wichtiger Faktor

Grenzgänger sind gerade im grenznahen Gebiet wichtige Arbeitskräfte. Eine Person gilt als Grenzgängerin oder Grenzgänger, wenn sie in einem Mitgliedstaat der EU oder EFTA eine Beschäftigung ausübt und in einem anderen Mitgliedstaat wohnt, in den sie in der Regel täglich, mindestens jedoch einmal wöchentlich zurückkehrt. EU-Staatsangehörige, die über einen Arbeitsvertrag mit einer Dauer zwischen drei Monaten und bis zu einem Jahr verfügen, erhalten die Grenzgängerbewilligung für die Dauer des Arbeitsvertrags. Bei Bestehen eines überjährigen Arbeitsverhältnisses wird eine Bewilligung mit einer Gültigkeitsdauer von fünf Jahren ausgestellt.

Im Jahr 2003 erzielten als Grenzgänger beschäftigte Männer durchschnittlich rund 8% tiefere Einkommen als in der Schweiz geborene Männer. Mit der Frankenaufwertung bis 2017 stieg dieser Unterschied auf 10% an. Grenzgängerinnen erzielen demgegenüber im Vergleich zu in der Schweiz geborenen Frauen höhere Einkommen, da sie einen im Durchschnitt deutlich höheren Beschäftigungsgrad aufweisen. Rund drei Viertel der Grenzgängerinnen und Grenzgänger beendet die Tätigkeit in der Schweiz nach weniger als 6 Jahren.

Lösungswege zwischen inländischem Potenzial und Zuwanderung

Erhöhung der Erwerbsquote im Inland

Die Erwerbsbeteiligung in der Schweiz ist im internationalen Vergleich bereits hoch und konnte über die letzten zehn Jahre weiter gesteigert werden. Dennoch besteht bei gewissen Zielgruppen Potenzial zur Erhöhung der Arbeitsmarktbeteiligung. Frauen mit und ohne Migrationshintergrund, die in ihrer Erwerbsbiografie an unterschiedlichen Punkten stehen, sowie ältere Arbeitnehmende, insbesondere Langzeitarbeitslose mit spezifischen Bedürfnissen, werden mit den bestehenden Massnahmen noch nicht vollumfänglich erreicht. Die Wirtschaft schätzt, dass mit entsprechenden Massnahmen bei den Frauen rund 48’000 und bei den 65- bis 69-Jährigen rund 37’000 Erwerbstätige zusätzlich ausgeschöpft werden können.

Höheres Rentenalter und längere Arbeitszeiten

Nur ein kleiner Teil von 12% der Personen im Alter von 65 Jahren und älter ist noch erwerbstätig. Eine Steigerung der Erwerbstätigkeit im Rentenalter könnte eine Bandbreite zwischen 12’000 und 108’000 zusätzlichen Vollzeitäquivalenten erschliessen. Etliche europäische Länder haben das Rentenalter über 65 Jahre hinaus erhöht, am stärksten Dänemark, wo eine grosse Mehrheit im Parlament beschlossen hat, es schrittweise bis auf 70 anzuheben. Deutschland erhöht das Rentenalter in Monatsschritten auf 67 Jahre. Wirtschaftsvertreter betonen, dass eine Kombination verschiedener Massnahmen vielversprechend erscheint.

Produktivitätssteigerung durch technologischen Fortschritt

Der Schweizer Arbeitsmarkt konnte die Herausforderungen der Digitalisierung bislang erfolgreich bewältigen. Im AI Preparedness Index des Internationalen Währungsfonds belegt die Schweiz Rang 3 von 186 Ländern im Subindex zu Humankapital und Arbeitsmarktpolitik. Das flexible und durchlässige Bildungssystem der Schweiz ermöglicht die Anpassung an strukturelle Veränderungen.

Bildungsinvestitionen und Ausbildung

Die Organisationen der Arbeitswelt legen die Inhalte der Berufsbildungsabschlüsse praxisnah fest. KI-Kompetenzen sind mittlerweile in den Lehrplänen oder Fachbereichen aller Bildungsstufen integriert. Der Bund fördert die höhere Berufsbildung, indem er Absolventinnen und Absolventen von eidgenössischen Berufs- und höheren Fachprüfungen direkt finanziell unterstützt.

Fazit

Die demografische Entwicklung stellt uns vor eine klare Realität: Ohne qualifizierte Arbeitsmigration können wir die prognostizierte Lücke von 460’000 Vollzeitarbeitskräften bis 2035 nicht schliessen. Arbeitsmarktorientierte Zuwanderung aus EU/EFTA-Staaten hat sich bewährt und bleibt, wie auch Wirtschaftsvertreter Roberto Laezza betont, unverzichtbar für unseren Wohlstand. Gleichzeitig müssen wir die gesellschaftlichen Folgen des Bevölkerungswachstums ernst nehmen. Die Lösung liegt therefore in einem ausgewogenen Ansatz: Erhöhung der inländischen Erwerbsquote, Produktivitätssteigerungen durch Innovation und gezielte Arbeitsmigration. Nur diese Kombination sichert langfristig unsere wirtschaftliche Wettbewerbsfähigkeit und soziale Stabilität.

FAQs

Q1. Wie stark ist der Fachkräftemangel in der Schweiz aktuell? Der Fachkräftemangel-Index liegt 2025 rund 22 Prozent unter dem Vorjahreswert und nähert sich dem Niveau vor der Corona-Pandemie an. Dennoch bleiben Engpässe in spezifischen Berufsgruppen bestehen: Nur noch 4 von 32 Berufsgruppen weisen ein klares Ungleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage auf, darunter Gesundheitsberufe, Bauführung, technische Fachkräfte sowie Elektronikberufe.

Q2. Welche Branchen sind vom Fachkräftemangel am stärksten betroffen? Das Gesundheitswesen verzeichnet die höchste Betroffenheit, wobei bis 2030 rund 30’500 Pflegestellen unbesetzt bleiben werden. Danach folgen Bauführer und Produktionsleiter auf Rang 2, ingenieurtechnische Fachkräfte auf Rang 3 sowie Elektriker und Elektroniker auf dem vierten Platz. Auch die Gastronomie kämpft weiterhin mit Personalmangel, während der Finanzsektor mit 12 Prozent eine vergleichsweise niedrige Betroffenheit aufweist.

Q3. Wie viele Arbeitskräfte werden der Schweiz bis 2035 fehlen? Bis 2035 werden voraussichtlich 460’000 Vollzeitarbeitskräfte fehlen. Das inländische Arbeitsangebot wird sich ohne Zuwanderung um rund 297’000 Vollzeitbeschäftigte reduzieren, während die Nachfrage nach Arbeitskräften zusätzlich um etwa 163’000 Vollzeitbeschäftigte steigt. Langfristig bis 2060 könnten der Schweiz sogar zwischen 0,8 und 1,4 Millionen Arbeitskräfte fehlen.

Q4. Welche Rolle spielt die Zuwanderung für den Schweizer Arbeitsmarkt? Die Arbeitsmigration ist zur tragenden Säule der Schweizer Wirtschaft geworden. Im Jahr 2025 waren 95 Prozent der Einwanderungen arbeitsmarktbezogen, wobei 71 Prozent der EU/EFTA-Staatsangehörigen zur Besetzung einer Arbeitsstelle einwanderten. Die Nettozuwanderung beläuft sich auf durchschnittlich 70’000 Personen jährlich, wobei 60 Prozent aus dem EU/EFTA-Raum stammen.

Q5. Wie wirkt sich die Zuwanderung auf die Sozialversicherungen aus? Im Jahr 2020 leisteten im Ausland geborene Personen über 40 Prozent der Beiträge an AHV, IV und EO, erhielten jedoch weniger als 30 Prozent der Leistungen. Zugewanderte aus EU- und EFTA-Staaten trugen 25 Prozent zu den Beiträgen bei, bezogen aber nur 15 Prozent der Leistungen. Die Zuwanderung wirkt sich somit bis 2070 weiterhin positiv auf die Sozialversicherungen der ersten Säule aus.