Die Geometrie eines Spiralbohrers erfordert in seinem Zentrum, an welchem seine beiden Schneiden zur Bohrerspitze zusammenlaufen, einen festen Bereich, der den Bohrer zusammenhält und ihm die nötige Stabilität verleiht. Dieser feste Kernbereich an der Bohrerspitze, den man auch noch als Querschneide bezeichnet, kann aus technischen und geometrischen Gründen nicht mehr am Schneidvorgang beim Bohren teilnehmen, sondern übt lediglich eine schabende und materialverdrängende Wirkung aus. Dies kann beim Anbohren leicht zu einem Verlaufen des Bohrers führen. Die Bohrung ist dann nicht mehr genau da, wo sie eigentlich gewünscht war.

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Um dies zu verhindern, verwendet man eine Bohrbuchse, welche dem Bohrer beim Anbohren als Zentrierhilfe dient.
Bohrbuchsen, Ausführungen und DIN-Normen
Bohrbuchsen sind in der Regel aus Einsatzstahl gefertigt und werden mit einer Randschichthärtung versehen. Der Kernbereich dieses Einsatzstahles bleibt weich und damit zäh und geschmeidig, nur der Randschichtbereich erhält eine Aufkohlung und wird bis auf eine Härte von ca. 60 HRC (Rockwellhärte) gehärtet.
Je nach vorliegendem Anwendungsfall verwendet man drei verschiedene Arten von Bohrbuchsen:
- Zylindrische Bohrbuchsen nach DIN 179
Zylindrische Bohrbuchsen haben keine Anschlagskante und sind daher von allen Varianten die einfachste. - Bundbohrbuchsen nach DIN 172Gemeinsame Eigenschaften von Bohrbuchsen nach DIN 179 und DIN 172
Bohrbuchsen nach DIN 179 und DIN 172 sind im Handel bis zu einem Innendurchmesser von 15 mm mit einer Abstufung von 0,1 mm bezogen auf den Innendurchmesser erhältlich. Ab einem Innendurchmesser >15 mm beträgt die Abstufung 0,5 mm.
Eine Seite des Aussendurchmessers ist mit einer Einführfase ausgestattet, welche eine bessere Montage in eine Bohrung ermöglicht.Form A: Bohrung ist an einem Ende gerundet.Form B: Bohrung ist an beiden Enden gerundet. - Steckbohrbuchsen nach DIN 173
Steckbohrbuchsen haben an ihrem grösseren Aussendurchmesser eine Kordelung, die zur besseren Griffigkeit dient. Ausserdem ist bei dieser Variante am grossen Aussendurchmesser ein Rundsegment ausgefräst, in welches ein Schraubenkopf einragen kann. Auf diese Weise kann beim Bohren ein Verdrehen der Bohrbuchse vermieden werden.Die Form K ist mit Schnellwechselbuchsen für rechtsschneidende Werkzeuge ausgestattet.Die Form L beinhaltet Auswechselbuchsen.
Bohrbuchsen können Sie z.B. bei Toolster kaufen.
Praktische Anwendungen von Bohrbuchsen
Viele technische Einrichtungen sind mit Einzelteilen wie beispielsweise Lagerdeckeln für Gehäuse ausgestattet, die alle ein bestimmtes Bohrbild mit mehreren Bohrungen haben. Solche Bohrungen können mit Mehrspindelbohrköpfen auf wirtschaftliche Weise praktisch ausgeführt werden. Oft müssen hier beim Bohren auch enge Abstandstoleranzen für die einzelnen Bohrungen eingehalten werden. Eine Bohrschablone mit eingepressten Bohrbuchsen ist in solchen Fällen eine elegante Lösung für eine passgenaue Ausführung solcher Bohrungen. Jeder am Bohrvorgang beteiligte Bohrer wird dann durch eine Bohrbuchse genau geführt. Das Bohrbild ist dann bei allen bearbeiteten Teilen gleich. Abstands- und Winkeltoleranzen der einzelnen Bohrungen zueinander können genau eingehalten werden.
Fazit
Die Anwendung der Bohrbuchse ist ein sehr probates Mittel zur Herstellung einer passgenauen Bohrung mit enger Toleranzeinhaltung und genauer Lagepositionierung. Dabei erfüllen Bohrbuchsen in der praktischen Anwendung oft eine doppelte Funktion. Zum einen sorgen sie besonders im Einsatz in Mehrspindelbohrköpfen für ein einheitliches Bohrbild aller gefertigten Teile. Zum anderen bewirken die sich im Einsatz befindenden Bohrbuchsen eine genaue Führung der Bohrer und erhöhen damit deren Standzeit. Ausserdem wird das Risiko von Bohrerbrüchen durch Verlaufen einzelner Bohrer deutlich minimiert.